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Regensburgs Hutkönig auf Bora Bora

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Der Globus kommt in sein Geschäft, jetzt machte Robert Nuslan den Gegenbesuch. Und gleich im teuersten Fleckchen Bora Bora.

Von Helmut Wanner, MZ

Während die Regensburger nach Altötting pilgerten, saß Robert Nuslan auf der Veranda seines Bungalows in der Südsee und las den MZ-Bericht darüber. Foto: Nuslan

Ursula und Robert Nuslan mit Marie-Theres und Anna-Kathrin auf Bora Bora Foto: Nuslan

Regensburg.Bei dem Wetter hier könnte man schon mal von der Südsee träumen: „Bora Bora Hey, Bora Bora in Tahiti hey, mein Paradies im Sommerwind, wo alle Menschen glücklich sind“, das sang Tony Marshall 1978 im Honolulu-Happysound, danach bot ihm die Insel die Ehrenbürgerwürde an. Robert Nuslan hat’s in Dieter Hecks ZDF-Hitparade mit 22 Jahren gesehen und sich seitdem immer mal in Gedanken in die Südsee gebeamt.

„Bora Bora Hey, Bora Bora in Tahiti hey, mein Paradies im Sommerwind, wo alle Menschen glücklich sind“

Tony Marshall

Mehr war nicht drin. Seine verstorbene Frau konnte keine Fernreisen unternehmen. Jetzt war er wirklich da, der berühmte Hutkönig, wo seine berühmtesten Kunden wie Johnny Depp schon genächtigt haben. „Ich hab eine Lebensversicherung herausbekommen und zu meiner Frau gesagt, was mach ma jetzt? Da haben wir beschlossen, diese Weltreise zu machen.“ Besser, seine Frau hat entschieden, denn: „Ich wäre wieder zu knickert gewesen.“ Und im Bloody-Mary-Restaurant, wo sich von Marlon Brando bis Ron Wood 230 Celebrities verewigt haben, hat er natürlich auch vorbeigeschaut, „wenn ma scho mal da is.“

Mia Wasikowska (2.v.l.) als Alice und Johnny Depp (M) in einer Szene aus dem Film «Alice im Wunderland 2: Der Hut in Folge 1 war von Hut König am Dom. Foto: dpa

In den 16 Tagen Pfingstferien ist er nun um die Welt gereist, mit seiner zweiten Frau Ursula und den Zwillingen Marie-Theres und Anna-Kathrin (15). Im Koffer hatte Robert Nuslan u.a. seinen Humphrey-Bogart-Hut aus Stoff gegen die Sonne, Badeschuhe gegen die Seeigel und eine Daunenjacke gegen die Kälte. Er reiste weiter über Auckland nach Sydney, wo das Einführen von Strohhüten verboten ist.

Das erzählt er im dritten Stock des Hut-König-Hauses, während es gleich doppelt brummt: im Laden drunten, wo ihm die Touristen die Hüte aus der Hand reißen und im Himmel über der Altstadt, über den die amerikanischen Transportmaschinen mit den Fallschirmjägern tieffliegen. Er hat alles super überstanden, die drei Nächte im Flugzeug, die 38 Stunden Anreise, den Verlust eines Tages beim Flug über die Datumsgrenze.

Die Sonne steht im Norden

Die Gedanken an Bora Bora, die kann er sich jetzt immer wieder hervorholen: Diese unbeschreiblichen Farben, diese saubere Luft, das wacherlwarme und glasklare Wasser. Morgens Frühstück am gläsernen Tisch, während unter den Füßen der Oktopus weidet. Nachts im Bungalow auf Stelzen der Blick hinunter ins beleuchtete Korallenriff und draußen auf der Terrasse hinauf zu den Sternen. Die gewaltige Brandung draußen am Riff. Und am Morgen geht die Sonne im Norden auf und man hat im Kopf den Tony Marshall-Text „Wo allen gleich die Sonne scheint, ist jeder des Anderen Freund.“

Vor seinem 60. Geburtstag ist er in der Stimmung, die Jahre Revue passieren zu lassen: „Eigentlich habe ich immer Glück gehabt.“ Mit 17 Jahren habe er im väterlichen Betrieb Kaufmann gelernt. Er habe eine Triltsch-Tochter geheiratet. Sein Schwiegervater Beppi war Pächter im Bischofshof. Brauereidirektor Brunner wollte, dass wir den Bischofshof übernehmen. Das blieb ihm erspart. „Meine Frau sagte: Da hat man gar kein Familienleben mehr.“

Nachdem Nuslans Vater früh starb, habe sein zehn Jahre jüngerer Bruder in Österreich das Handwerk des Hutmachers gelernt. „Er hat den Betrieb mit seiner Kreativität hochgebracht. Mein Bruder Andreas ist heute ein weltberühmter Hutmacher.“

Robert Nuslans schwärzeste Stunde war, als ihm seine erste Frau in den Armen starb. „Stehend. Während eines asthmatischen Anfalls. Zu dem hat sich dann ein Hinterwand-Infarkt geschlagen. Morgens musste ich meiner ältesten Tochter erzählen, dass die Mutter nicht mehr da ist. Ich hab nicht gewusst, wie ich das machen soll.“

Seine beiden Töchter, damals sieben und neun Jahre alt, hätten ihm dann seine jetzige Frau vermittelt. „Ich kannte sie schon, als sie acht Jahre alt war. Ein Jahr darauf war ich wieder verheiratet. Und ich bekam noch mal zwei Töchter. Ich weiß seitdem: Es geht immer weiter.“

„Diese Erde ist ein Traum“

Mit Anna-Kathrin, Marie-Theres und seiner Frau hat er nun Bora Bora mit 70 km/h auf Jetskiern umrundet. Bora Bora ist ein Atoll im Süd-Pazifik, 260 km von Tahiti. Es hat eine Landfläche von insgesamt 38 Quadratkilometern. Die Insel gilt als einer der teuersten Reiseziele der Welt. „Wann, wenn nicht jetzt“, sagte er sich.

„Diese Erde ist ein Traum und wir sind nicht der Nabel der Welt“: Das ist die Erkenntnis, die Andreas Nuslan gewonnen hat. Als er jetzt mit dem Flieger über Salzburg und den Chiemsee wieder in die grüne Heimat eingeschwenkt ist, da ist ihm aber schon wieder das bayrische Herz aufgegangen. Gefeiert wird kommende Woche nicht im Bastrock, sondern im Dirndl: Mit der Blaskapelle Bernhardswald. Dort spielt die ganze Familie. Seine Frau bläst das Saxophon, eine Tochter Klarinette, eine Trompete – der Papa auch. „Nach Bora Bora, da muss ich nicht mehr hin.“ Australien dagegen habe ihm sehr gefallen. „Ich habe noch nie so gut gekleidete Menschen gesehen wie in Sydney.“

  • Andreas Nuslan

    machte den Hut, den Johnny Depp in seiner Rolle als Hutmacher in „Alice in Wonderland“ trug. Der Prototyp ist im Laden am Krauterer Markt zu besichtigen. Hut König ist seitdem bei Jung und Alt ein Begriff.

  • Robert Nuslan

    leitet den Verkauf. Der Umsatz des Ladens hat sich in den Jahren vervielfacht, auch aufgrund des enormen Medienechos. Es gibt kaum einen Fernsehsender der Welt, der noch nicht über den Hutmacher am Dom berichtet hätte. Auf seiner Homepage listet Nuslan Hunderte Presseberichte auf. Der erste erschien 1986 in der Mittelbayerischen Zeitung.

Helmut Wanner

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